Suedamerika-Tour April/Mai 2004  

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Nachdem sich die politische und wirtschaftliche Lage in Argentinien wieder etwas beruhigt hatte und unsere letzte Tour dorthin schon über 4 Jahre zurücklag, nahm man die Planung für eine weitere Tour ins Land der grossen Bierflaschen und der Riesensteaks in die Hand. Da Wiesel seine Pläne schon recht früh wieder in die Schublade steckte, blieben wieder mal nur noch Fischbein und ich übrig. Kurzentschlossen kam dann noch Tierfreund und Weltenbummler Legia dazu, der den Picco Hoppers mit ein paar LP wieder etwas davonziehen wollte...

Die Reise startete am 23. April abends nach der Arbeit in Basel, wo Fischbein schon am Bahnhof wartete. Mit dem Bus an den Flughafen, auf die französische Seite gewechselt (ab der Schweiz wär’s etwa Fr 200 teurer gewesen...), eingecheckt und schon war man in der Air France Maschine nach Paris Orly. Dort Gepäck in Empfang genommen und mit dem Bus zum Flughafen Charles de Gaulle gewechselt zum erneuten Check-In ins futuristische Terminal E. Ein Teil dieses Terminals ist vor ein paar Wochen eingestürzt... Da wir recht spät dran waren, gab’s nur noch zwei Einzelplätze. Ich war zwischen dem Bruder von Che Guevarra und einer verwirrten Ukrainerin platziert, während Fischbein den Platz zwischen zwei Damen zugewiesen bekam. Nach ein paar Bierchen, Filmen und Videogames landete man nach 14 Stunden pünktlich in Buenos Aires.

Kurz die Sportzeitung gekauft und die Mafia-Taxis abgewimmelt, war man schon bald im Bus in die City. Beim Studium der Zeitung dann der grosse Schock: Weil Independiente das Entscheidungsspiel für die Qualifikation für die Copa Libertadores 1/8 Finals bestreiten musste, wurde der Spieltag unter der Woche kurzerhand auf das nächste Wochenende verlegt und die folgenden Spieltage alle eine Woche nach hinten verschoben. Somit verpassten wir eines der grössten Derbys dieser Welt, Boca-River und noch ein paar andere gute Spiele! Was soll’s, man kann’s halt nicht ändern... Wir bezogen dann ein Zimmer im Hotel Maipu, das unterdessen noch etwa 7 Franken pro Person und Nacht kostete. Für TV und Bad im Zimmer kein schlechter Preis. Dann machten wir uns auf den Weg zum ersten Spiel.

Nuevo Chicago – Chacarita Juniors 1:1

Samstag 24.4.04 14:00 Uhr

Estadio José Amalfitani (Vélez Sarsfield), 13‘000 Zuschauer

Primera Division

Leider wurde das Spiel aus Sicherheitsgründen kurzfristig ins 50‘000 Zuschauer fassende Stadion von Vélez Sarsfield verlegt. Von den gutgezählten 13‘000 Fans waren etwa gut 5‘000 aus dem Norden von Buenos Aires angereist. Das Spiel war schlecht, die Stürmer vergaben die besten Torchancen, trotzdem guter Support in der ersten Halbzeit auf beiden Seiten. Nach der Pause konnte Chacarita ausgleichen und von da an hörte man nur noch deren Fans mit einem geilen 45minütigem Dauersupport. Nach dem Spiel sorgten 20 Minuten Stadionsperre für die Heimfans und 3-400 Bullen inkl. Polizeihelikopter und unzählige Pferde dafür, dass es keine 3. Halbzeit gab. Wir fuhren mit dem Zug zurück in die Stadt und machten uns nach dem vertilgen der ersten Chorizos und Quilmes schon bald wieder auf den Weg zum nächsten Spiel:

Independiente - Rosario Central 3:2

Samstag 24.04.04 21:10 Uhr

Estadio Doble Visera, 10‘000 Zuschauer

Primera Divison

Obwohl man bei der letzten Tour schon bei genau dieser Begegnung war und die Independiente Fans überhaupt nicht überzeugen konnten, wollte man es noch mal probieren, da es das einzige Spiel am Samstag Abend war. Das Spiel war ganz ansehnlich und nachdem die Roja‘s zweimal den Rückstand ausgleichen konnten und dann kurz vor Schluss gar noch den 3:2 Siegtreffer erzielte, war das Stadion am toben. Die etwa 400 Mitgereisten aus Rosario gingen in ihrem riesigen Auswärtsblock etwas unter. Bei unterdessen weniger als 10 Grad Lufttemperatur und ziemlich müde von der Reise, kam man dann nach der kurzen Taxifahrt um Mitternacht endlich ins Bett.

Estudiantes de La Plata - Boca Juniors 2:2

Sonntag 25.04.04 18:10 Uhr

Estadio Jorge Luis Hirschi, 23‘000 Zuschauer

Primera Division

Obwohl wir auch dieses Spiel letztes Mal schon gesehen hatten, wollten wir uns das Spiel der Runde nicht entgehen lassen. Da wir letztes Mal auf der Heimfahrt nach Buenos Aires von den Asozialen Bocas ausgeraubt wurden, nahmen wir nun ein Hotel in La Plata. Schon Stunden vor dem Anpfiff lag die ganze Innenstadt im Duft von gegrilltem Rindfleisch. Beim Geniessen von ein paar Bierchen konnte man zusehen, wie immer mehr blau-gelbe aus Buenos Aires in der Stadt ankamen. Das Stadion hat sich nicht verändert, nur die rostigen Stahltribünen sind noch rostiger geworden! Bald soll hier ein neuer 40‘000 Seater entstehen, aber bei der aktuellen Finanzlage des Landes kann das noch lange dauern... Der Auswärtsblock war mit 9‘000 Untermenschen gefüllt und auch der Rest des Stadions war proppenvoll. Estudiantes holte einen verdienten Punkt, doch die Stimmung konnte leider nicht ganz mit dem letzten Mal mithalten.

Defensores de Belgrano - Belgrano Cordoba 1:0

Montag 26.04.05 20:35 Uhr

Estadio Defensores de Belgrano, 700 Zuschauer

Nacional B

Zurück in der Hauptstadt stand heute das TV-Spiel der 2. Liga an. Aus dem etwa 700 km entfernten Cordoba waren immerhin 80 Leute angereist. Von den Heimfans waren etwa die Hälfte auf der kleinen Tribüne hinter dem Tor und zeigten zu unserer Überraschung 90 Minuten Dauersupport. Sogar bei diesem Spiel wieder gut 10 Minuten Blocksperre für die Heimfans. Die Polizei geht kein Risiko ein...

Da der Spieltag, der für Dienstag -Donnerstag angesagt war, ja bekanntlich verschoben wurde, die zwei Copa Libertadores Spiele irgendwo im Norden Südamerikas stattfanden und die Meisterschaftsrunde in Brasilien uns nicht unbedingt zu begeistern mochte, ging es für zwei Tage mit dem Bus nach Santa Fe und Parana zum Sightseeing und Bier vernichten. Mittwoch Nacht dann wieder mit dem Nachtbus zurück in die Capital Federal, da Donnerstag schon das erste TV-Spiel der nächsten Runde anstand:

Boca Juniors - Newell‘s Old Boys 1:1

Donnerstag 29.04.05 19:00 Uhr

Estadio La Bombonera, 30‘000 Zuschauer

Primera Division

Man zog die assligsten Kleider an, liess alles im Hotel, was ein wenig Wert hatte und machte sich dann auf mit dem Bus zum Stadion. Nach langer Suche fand man endlich den Fussball-Tempel inmitten dem alten Hafenviertel. Die Umgebung alleine würde ja noch so gehen, aber die blau-gelben Assos, die unzähligen streunenden Hunde und die einbrechende Dunkelheit liessen schon ein etwas mulmiges Gefühl aufkommen. Dazu sehr wenig Polizei: für was auch, die Diebe rauben sich ja nicht gegenseitig aus... Fast eine Stunde brauchten wir, bis die Kassenhäuschen gefunden wurden. Die beiden Kurven kosteten umgerechnet nur gut 4 Franken, doch wir entschieden uns natürlich für die mit 25 Franken nächstteurere Kategorie auf den Gegentribüne. So war man wenigstens im Stadion vom grössten Teil des Pöbels geschützt. Die Stimmung war zeitweise schon wirklich geil, aber auch die gut 1‘000 Jungs aus dem 400 km entfernten Rosario legten sich mächtig ins Zeug. Trotz dem Führungstor durch ex GC Spieler Barijho kam der Tabellenführer nur zu einem unverdienten Punkt. Nach dem Spiel gab es zu unserer Überraschung nur für die beiden Kurven Blocksperre. So schützen sie wohl die wenigen normalen Boca Fans vor dem eigenen Pöbel... Uns war es recht, konnten wir so recht sicher mit einem Taxi das Viertel verlassen.

Huracan - CAI 1:3

Freitag 30.04.04 15:30 Uhr

Estadio Tomas Adolfo Duco, 2‘000 Zuschauer

Nacional B

Ins Stadion des letztjährigen Erstligisten passen 50‘000 Leute und sieht aus wie eine riesige Salatschüssel mit extrem steilen Kurven, die rundherum geschlossen sind. Wegen der fast unmöglichen Anspielzeit von 15:30 Uhr während eines normalen Arbeitstages und dem miesen Tabellenplatz des Traditionsclubs kamen nur 2‘000 Leute, darunter 25 Gäste aus dem fast 2‘000 km entfernten Comodore Rivadavia. Die Huracan Supps waren 90 Minuten damit beschäftigt, die eigenen Spieler als Hurensöhne zu beschimpfen... Ganz übel!

Racing - Nueva Chicago 1:1

Freitag 30.04.04 21:10 Uhr

Estadio Presidente Juan Domingo Peron, 20‘000 Zuschauer

Primera Divison

Gemäss Zeitung waren für das abendliche TV Spiel der ersten Liga 600 Polizisten im Einsatz, da sich der Racing Pöbel im Moment eine Art Guerilla Krieg untereinander führt. Als wir die Kurve betraten, wurde dann auch schon ein Mann blutüberströmt aus dem Block gebracht. Als die rund 100 Mann des Heimpöbels den Block betreten wollte, wurden diese von den anderen aus der Kurve geprügelt... Ansonsten gehören die Racing Fans eigentlich zur zivilisierteren Sorte. Das Stadion fasst 64‘000 Zuschauer, ist als eines der wenigen Stadien in Argentinien grösstenteils überdeckt und liegt nur etwa 100 Meter vom verhassten Nachbarn Independiente entfernt. Heute waren etwa 20‘000 Heimfans anwesend sowie rund 2‘500 Away Supps. Der Favorit ging schnell in Führung, was das Stadion für ein paar Mal mächtig zum toben brachte. Doch schon bald glich der Aussenseiter aus und von da an hörte man nur noch die Gäste mit absolut geilem Dauersupport. Den Heimfans war die Lust wegen der katastrophalen Leistung der eigenen Spieler vergangen, die nach den zwei Unentschieden von Boca sogar wieder eine Chance auf den Titel gehabt hätten.

Am Samstag 1. Mai fand im ganzen Land kein Fussballspiel statt. Erst dachten wir, alle Bullen würden für allfällige Ausschreitungen benötigt, aber scheinbar will an diesem Tag einfach niemand arbeiten. Nicht mal die Sportzeitung wurde heute gedruckt. So nutzte man den schönen Tag für Sightseeing im Yachthafen Vorort Tigre.

Deportivo Moron - Tigre 0:0

Sonntag 2.05.04 11:00 Uhr

Estadio Francisco Urbano, 1‘500 Zuschauer

Primera B

Da das Spiel des Tages erst am Nachmittag war, konnte man morgens um 11 Uhr noch das 3. Ligaspiel Moron-Tigre mitnehmen. Moron hat schon bessere Tage erlebt und so kamen nur 1‘500 Zuschauer ins Stadion. Auch aus Tigre sind nur rund 200 Tigre Fans mitgekommen. Beim Auswärtsspiel vor einer Woche bei Atlanta hatten sie noch 2‘000 Leute im Stadion... Da das Polizeiaufgebot riesig war und die Moron Fans nicht grad den besten Ruf haben, setzte man sich auf der Tribüne. Das Spiel und die Stimmung war der Uhrzeit entsprechend langweilig. Man stelle sich vor, wir müssten Sonntag Morgen um 11 Uhr ins Stadion. Die Hälfte würde wohl noch kotzen...

Vélez Sarsfield - Independiente 0:0

Sonntag 2.05.04 15:10 Uhr

Estadio José Amalfitani, 25‘000 Zuschauer

Primera Division

Nach der Blocksperre ging's mit dem Zug vier Stationen zurück ins Viertel Liniers zum Klassiker Vélez-Independiente. Der Away Block war mit gut 10‘000 Roja‘s mehr als voll. Diese legten sich in der ersten Halbzeit mächtig ins Zeug und zeigten geilen Support. Von Vélez war eigentlich während 90 Minuten fast nichts zu hören. Das Spiel war wieder mal katastrophal, während 90 Minuten etwa 2 1/2 Torchancen, die dann auch noch anfängerhaft vergeben wurden und so sahen wir schon wieder kein Tor. Bei solchem Fussball ist es ein Wunder, dass überhaupt noch jemand ins Stadion geht. Aber sobald ein Spieler dreimal einen geraden Pass schlagen konnte, wird er nach Europa verkauft...

Montag Morgen kam dann Legia aus der Schweiz angereist. Nach kurzem Stadtrundgang, üppigem Essen und genügend Bier im Rucksack begab man sich zum Busbahnhof. Die Tickets für die 22stündige Busfahrt über die Anden ins 1‘500 km entfernte Chile kosteten pro Nase inkl. Essen 45 Franken. Leider war der Bus nicht ganz in dem Zustand, wie man es sich bei den argentinischen Langstreckenbussen gewohnt ist und die Freundlichkeit der Fahrer hätte auch um einiges besser sein können. Zu unserem erstaunen wurden nur zwei kleine Stops à 15 Minuten eingelegt. Legia wurde am Busbahnhof in Mendoza (zufälligerweise?) von einem alten Falkland Krieger angesprochen, der seine Zuneigung zu den deutschen Kameraden des 2. Weltkrieges mit eindeutigen Zeichen und Parolen zur Bekenntnis gab... Dann ging die Fahrt weiter, 7 Stunden lang über die Anden auf  rund 3‘200 MüM hoch. Die Aussicht im Morgenrot auf die zum Teil fast 7‘000 Meter hohen Gipfel war eindrücklich, doch im Inneren des Busses wurde es immer kälter. Unser Südamerika Neuling Legia konnte die Fahrt nicht so ganz geniessen, weil er im kalten Bus nicht schlafen konnte und die Busfahrer seine Worte in englischer Sprache für einen Rauchstop nicht verstehen wollten... Allerdings war die Reise für ihn natürlich auch doppelt so anstrengend, hatte er doch die letzten zwei Nächte auf einer Hochzeitsfeier resp. im Flugzeug verbracht. Das Prozedere am chilenischen Zoll dauerte dann gut eine Stunde und die chilenischen Zöllner wurden ihrem Bürokraten Ruf gerecht. Dienstag um 14 Uhr erreichte man dann die chilenische Hauptstadt, wo sich Legia grad heimisch fühlte...:-) Man fand eine sehr nette Pension und ging in die Stadt was essen. Die für südamerikanische Verhältnisse sehr moderne und sichere Stadt wusste von Anfang an zu gefallen, dafür ist auch fast alles doppelt so teuer wie im grossen Nachbarland. Am Abend stand dann auch schon das nächste Game auf dem Plan:

Universidad Catolica - Universidad de Chile 1:2

Dienstag 4.05.04 20:00 Uhr

Estadio Nacional de Chile, 15‘000 Zuschauer

Primera A

Wohl aus Sicherheitsgründen wurde das Stadtderby nicht im 20‘000 Zuschauer Stadion von Catolica ausgetragen, sondern ins 70‘000 Plätzer Nationalstadion verlegt. Beim Stadion dann auch jede Menge Polizei inkl. Wasserwerfer und Pferden. Zuerst wunderte man sich über die vielen Schwarzmarkthändler, konnte sich doch Catolica für die in zwei Wochen beginnenden Playoffs nicht mehr qualifizieren und somit erwarteten wir nicht allzu viele Zuschauer. Als man uns beim Eingang erklärte, dass es an der Abendkasse keine Tickets gäbe, wussten wir dann warum. Der erste Händler mit dem wir verhandelten, wurde von zwei rabiaten Polizistinnen fast verhaftet. Doch der Typ gab nicht auf und verfolgte uns. Er wollte für die Haupttribüne 40 Franken pro Ticket, das Doppelte des Normalpreises, was wir natürlich nicht zahlten. Doch der Typ verfolgte uns dauernd und mischte mit seinen Gringo-Rufen die ganze Meute ums Stadion auf, dass auch jeder wusste, dass wir Ausländer sind. So blieb uns nicht viel anderes übrig, als mit ihm zu verhandeln. Er konnte sein Glück kaum fassen, als wir ihm dann 26 Franken pro Ticket anboten. So konnte man dann doch noch das grosse Oval betreten.

Im Stadion waren hinter einem Tor rund 5‘000 Catolica‘s, hinter dem anderen Tor und auf der Haupttribüne etwa 10‘000 Universidad Anhänger. Zum Intro gab es auf beiden Seiten Choreo‘s und Pyro en masse und auch die Stimmung war genial, vor allem von Universidad de Chile, die unbedingt gewinnen mussten, um noch die Playoffs zu erreichen. Anfangs der zweiten Halbzeit dann endlich wieder ein Tor, das erste nach fast 300 Minuten torlosen Fussball! Von jetzt an war von den Catolica‘s nicht mehr viel zu hören.

Der nächste Tag wurde für Sightseeing, Fachgesprächen über goldene Kiwi‘s und der Organisation der Rückfahrt genutzt. Da Legia nicht mehr gross Lust verspürte die Rückreise wieder per Bus zu bewältigen, buchte er einen Flug nach Montevideo, um dort noch den Uruguay Länderpunkt zu machen. Am Abend stand gab es dann noch ein weiteres Stadt Derby:

Colo Colo - Palestino 2:1

Mittwoch 5.05.04 21:30 Uhr

Estadio Monumental, 3‘500 Zuschauer

Primera A

Colo Colo, klare Nummer 1 des Landes, war schon für die Playoffs qualifiziert, während die Palästinenser keine Chance mehr auf einen Platz unter den ersten acht hatten. Wenn das Spiel dann auch noch unter der Woche nachts um 21:30 Uhr stattfindet und live im TV übertragen wird, muss man sich nicht wundern, wenn nur ein paar ganz treue Seelen den Weg ins Stadion finden, das weit ausserhalb der Stadt liegt. Hier gab es zwar Tickets aber, bis man endlich die richtige Kasse gefunden hatte, verging wieder eine halbe Stunde! Das Spiel war ganz ordentlich und auch der Support der etwa 2‘000 Colo Colo Kids hinter dem Tor war den Umständen entsprechend sehr gut. Von den 25 Gästen war einzig eine Palästina Fahne zu sehen, aber kein Support zu hören.

Am nächsten Morgen musste Legia schon um 6 Uhr zum Flughafen, während wir noch gemütlich ausschlafen konnten, bis dann um 10 Uhr der (diesmal gepflegte) Bus Richtung Mendoza fuhr. Dort am Abend nach zwei Tagen endlich wieder ein richtiges Steak zwischen die Zähne gehauen und dann ging die Fahrt mit einem anderen Bus weiter nach Buenos Aires.

Banfield - Colon Santa Fe 3:1

Freitag 7.05.04 21:00 Uhr

Estadio Flocencio Sola, 10‘000 Zuschauer

Primera Division

Zu diesem Spiel gibt es nicht viel zu sagen. Nicht schlechtes Stadion für gut 30‘000 Leute, aber fast kein Support der Heimfans und auch die 40 Gäste aus Santa Fe konnten sich nicht in Szene setzen.

Ferro Carill Oeste - Argentinos Juniors 3:0

Samstag 8.05.04 16:10 Uhr

Estadio Ricardo Etcheverry, 10‘000 Zuschauer

Nacional B

Auch bei diesem Spiel waren wir schon auf der letzten Tour. Diesmal ging es beim „Bronx-Derby“ um den Aufstieg in die erste Liga. Die Argentinos Juniors, der erste Profiverein von Don Diego, spielten die letzten paar Jahre in diesem Stadion, bis jetzt endlich ihr eigenes Stadion fertig umgebaut wurde. Die Argentinos Juniors sind Tabellenführer und auch Ferro als fünfter konnte sich noch Hoffnung machen. Die Auswärtskurve war mit rund 4‘000 Roten gut besetzt. Vor dem Stadion jede Menge Polizei und Strassensperren. So nahm man Tickets für die Haupttribühne. Man war erst kurz im Stadion, fing die Polizei draussen wie wild mit Tränengas um sich zu schiessen, was man auch auf unseren Plätzen noch zu spüren begann. Ferro schoss drei Tore und die Argentinos Juniors bekamen drei rote Karten. Nach dem entscheidenden 3:0 absolut genialer sinnlos Support der Away Fans und auch die Grünen mochten dank dem klaren Sieg supportmässig zu überzeugen. Nach dem Spiel gab es 30 Minuten Blocksperre, bevor man das unterdessen dunkle Viertel endlich wieder verlassen durfte.

Dem Abendspiel Estudiantes-Racing (es wäre das dritte Mal Estudiantes gewesen...) zog man dann ein Essen im gepflegten Steak House vor. Legia antwortete auf die Frage der Tischnachbarin in englisch, woher wir den kommen, mit Russland. Die kleine Lüge ging aber mächtig in die Hosen, als der Begleiter der Fragenden sich auf Mundart als Schweizer outete...:-) Die Welt ist halt klein.

River Plate - Vélez Sarsfield 1:0

Sonntag 9.05.04 11:10 Uhr

Estadio Monumental, 35‘000 Zuschauer

Primera Divison

Dieses Derby wurde auf 11 Uhr angesetzt, damit sich die River Fans nicht mit den Boca Fans in die Quere kommen. So machte man sich schon früh morgens auf den Weg durch die Nobelviertel zu den Millionarios. Wir nahmen Tickets für die Haupttribühne auf dem Oberrang, zwischen dem River und Vélez Fanblock. Stimmungsmässig konnten leider wie erwartet beide Seiten nicht überzeugen. Die River‘s sind einfach zu reich und die Vélez Fans scheinbar unfähig. Wenigstens schoss River in der zweiten Halbzeit noch das Führungstor, damit sie im Kampf um die Meisterschaft den Boca‘s auf den Fersen bleiben. Nach 25 Minuten Blocksperre fuhr man mit dem Taxi vom reichen Norden in den armen Süden der Hauptstadt:

Independiente - Boca Juniors 1:4

Sonntag 9.05.04 16:10 Uhr

Estadio Doble Visera, 45‘000 Zuschauer

Primera Divison

Da unsere spanisch Kenntnisse nicht ausreichend waren um zu verstehen, ob es am Spieltag noch Tickets für den Heimblock gab, ging man am Vortag auf Nummer sicher und holte da schon die Karten. Legia wollte auf Nummer ganz sicher gehen und kaufte Tickets für den teuersten Block auf der Haupttribühne, während Fischbein und ich Sitzplätze auf der Gegentribühne nahmen. Die Strassen waren schon zwei Stunden vor Anpfiff überfüllt mit Chorizo Grillständen, Souvenierverkäufern und Roja Fans. Boca Fans sah man keine, weil diese nur durch einen mehrere hundert Meter langen Rang auf der Rückseite beim Racing Stadion ins Stadion gelangen durften, abgeschottet von 1‘000 Polizisten.

12‘000 Boca Fans wurden auf die Away Stehrampe gelassen und diese war bis zum letzten Platz gefüllt. Kurz vor Anpfiff wurde in der Mitte des Blocks durch die La Doce Chefs einen Gang frei gemacht, damit der rund 1‘000 Mann Mob von Boca mit den Fahnen ins Stadion stürmen konnte. Auch der Rest des Stadions war mit gut 30‘000 Roten sehr gut gefüllt. Doch die meisten der Independiente Fans hätten sich nach 45 Minuten am liebsten erschossen, da Boca schon mit 3:0 in Führung lag, unter anderem durch zwei Tore von Barijho... Viele verliessen schon das Stadion, doch der Rest der Heimfans setzte zu einem Sinnlossupport der Marke 1a an!!! Das wussten die Boca‘s natürlich mit ebenfalls geilem Support zu kontern. Obwohl man sie als zivilisierter Mensch nicht mögen kann, sieht es halt schon geil aus, wenn 12‘000 Fanatiker im Block einen Pogo tanzen...! Während es auf unseren billigen Plätzen ruhig blieb, musste Legia von seinem teuren Platz flüchten, als der Independiente Mob nach dem 0:3 den eigenen Präsidenten ein paar Reihen neben Legia angriff und dann die Bullen den Block stürmten. Beim Versuch, die Polizisten zu fotografieren, durfte er auch noch den Schlagstock Punkt Argentinien sammeln...:-)

Montag Morgen verabschiedete man dann Legia, der noch die Kulturpunkte Foz de Iguazu und Rio sammelte, während wir nach ausgiebigem Shopping die am späteren Nachmittag wieder via Paris in die Schweiz flogen.

Fazit:   

- geniale Steaks zu Spottpreisen in Argentinien

- Hopper Traumland Argentinien mit fast jedem Tag mind. ein Spiel

- Mega Bürokratie in Chile, dafür sehr sicher und modern

- es hat nicht nur Gauner dort

- Falkland Veteranen erkennt man an den fehlenden Ohren

PANDA