Dynamo Dresden - Dresdner SC

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Nachdem zuerst kräftig die Werbetrommel für dieses Highlight gerührt wurde und sich diverse Personen in allen erdenklichen Reihenfolgen an und wieder abmeldeten, machten sich schliesslich Legia, Wiesel und ich mit dem "edlen" City-Nighliner auf nach Elbflorenz.

Auf der Hinfahrt wurde zu anständigen Preisen bereits im Barwagen kräfitg aufgewärmt. Nach einem kurzen Fight um das Couchette gegen 4 Mitglieder eines Karl-May-Klubs Schweiz (kein Scheiss) ging man schliesslich mit einem leichten Damenrausch schlummern. Bereits um 7 wurden wir dann schliesslich vom Zugbegleiter mit gratis (?) Tee geweckt. Die beiden Zugbegleiter mit auffällig kurzem Haar outeten
sich später dann auch noch als eingefleischte Dynamo-"Fans" und meinten von den feigen DSC'lern traue sich eh keine Sau ins Stadion.

Am BHF Dresden wurden zu Currywurst und Brot erstmal die lokale Presse studiert. Dort erfuhren wir, dass für das Spiel 500 Polizisten aus der ganzen DDR (gelle Legia) aufgeboten wurden und das Stadion nahezu ausverkauft sei. Darum gingen wir nach einer kurzen aber edlen Shopping-Tour durch die erstaunlich gepflegte dresdner Innenstadt schon bald mal richtig Stadion wo man die ersten Fans und eine Handvoll Hools Marke Kleiderschranke ausmachte.

Nachdem sich dann Wiesel erstmal mit allerlei billigen Dynamo-Souvenirs eindeckte, bezogen wir unsere edlen Logenplätze auf der Haupttribüne, von welcher wir einen guten Überblick auf die beiden Fanlager hatten. Das Stadion füllte sich mehr und mehr so dass die Dresdener Kurve kurz vor Spielbeginn bereits
eine mehr als ein anständiges Bild abgab. Praktisch der ganze Zaun wurde mit gelbschwarzen Bannern und Transparenten behangen. Auffallend vorallem das Transparten mit Aufschrift "Hooligans Elbflorenz" welches vor der Haupttribüne (!) und anscheinend weiter niemand zu stören schien.

Im DSC-Blöckchen vielleicht gute 100 Mann, welche sich vorallem ganz oben im Block verkrochen, mir kam es vor als wollte sich jeder die besten Fluchtposition sichern.... Kein Wunder wenn man die Kräfteverhältnisse studiert. Auf der einen Seite die Dynamos mit Ihrem riesen Mob, auf der anderen die paar DSC'ler... Als nicht Dresdner drängte sich uns automatisch die Frage auf, wie solch ein Hass zwischen zwei solch gegensätzlichen Vereinen überhaupt entstehen kann.

Doch nun zum Spiel: Während die Spieler gemeinsam mit dem Transparent "Gewalt unter Fussballfans - K.O. für den Fussball in Dresden" aufliefen, sah man im Dynamo Block eine schöne Choreo in den Vereinsfarbe in welcher man den Gegner verhöhnte. Auf der DSC Seite ein kleines, unentzifferbares Spruchband mit einigen schwarz/roten Schwenkfahnen. Das Spiel selber in meinen Augen einfach nur grottenschlecht, das war allerhöchsten NLB-Niveau, der auffälligste Akteur der ersten Halbzeit war der Verrückte der einen Stylo knapp am DSC-Keeper vorbeischoss und im Dredner Block tosenden Applaus erntete. Der Support der Dynamos war dementsprechend eher enttäuschend wobei sie ihr Potenzial doch einige Male andeuteten. Vorallem das UFFTA pflegen sie sehr originell zu gestalten. Von DSC-Seite war wie erwartet nichts zu hören, sie waren ganz einfach zu wenig.

Als auch die zweite Halbzeit völlig harmlos dahinplätscherte beschloss ich ein wenig durchs Stadion zu schlendern um die Stadion(Hool-Kneipe) zu inspizieren. Den Dresdner Führungstreffer muss dann halt irgendwie gefallen sein, auf jedenfall war urplötzlich eine wirklich für deutsche Kurven ganz ordentlicher Support aufgekommen. So gewann Dynamo schliesslich mit 1:0 und sofort rannte alles was zwei Beine hatte (inkl. Wiesel mit lustigem Rucksack) raus auf die Strasse Richtung DSC-Block runter.
Wirklich assozial wie sich da ein Mob von 700-800 Leuten auf die Jagd nach ein paar wenigen Auswärtsfans macht. Brutal! Die Polizei hielt sich mit ihren Hundertschaften relativ diskret im Hintergrund. Wahrscheinlich wollte man die totale Eskalation wie im letzten Jahr verhindern und da man es irgendwie schaffte den DSC-Anhang rechtzeitig zu "evakuiren" gab es auch keinen Grund irgendwie einzuschreiten. So verzogen sich langsam die kleinen Grüppchen wieder und auch die Polizei-Einheiten zogen sich nach
und nach zurück. Einzig der Polizeihelikopter kreiste noch einige Zeit über dem Stadion.

Nachdem das sich das ganze etwas beruhigt hatte, zogen auch wir es vor langsam Richtung Innenstadt zu ziehen um etwas zu essen. Dies gestaltete sich jedoch als gar nicht so einfach, hat man Leute dabei welche im Osten "aus Prinzip" nur in internationalen Ketten zu essen pflegen. So kam es, dass wir unser Abendmahl schliesslich im Burgerking am BHF einnahmen und uns schliesslich mit einem Billig-Bier-Sauf Contest (1euro für 0.5 Liter) in einer Spelunke die Zeit bis zur Abfahrt des Zuges vertrieben.

Auf dem Rückweg gab es dann noch interessante Kontakte und Gespräche mit Einheimischen. Während sich Wiesel und ich mit einem Drogengirlie (ich kenn nen Punk der hat 100 Ratten im Schrank...) welches in der Schweiz einen Entzug macht sinnlos besoffen unterhielt sich Starbanker Legia mit einem Dozenten der lokalen Universität über die sozialen Probleme des Entwicklungslandes DDR. Die Karl-May-Freunde hielten sich vornehm zurück und so tuckerten wir friedlich Richtung Basel.

Auch für mich als Groundie-Neuling eher enttäuschende Fahrt was Fussball anging, dafür schwer beeindruckt von dem ganzen Dynamo-Pöbel unter welchen sich doch ganz derbe Kanten tummeln und der erstaunlich schönen Stadt und natürlich Wiesels Billigbier!