Feyenoord - Utrecht

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Schon ordentlich betankt bestieg die gemischte Reisegruppe Feyenoord/Ajax in Basel den City Nightliner. Relativ schnell eckte unser Hardcore Master SBB mit dem unfreundlichen Personal an, dabei war der Gute nur um unsere Sicherheit bedacht... So bezog man schliesslich ohne Gewissheit einer Zusatzbremsprobe oder Lastberechnung etwas verunsichert Quartier in unserem Abteil. Als schliesslich auch noch ein 150kg-Bundesgrenzschützer Wiesel eine schlechte Kinderstube attestierte, wurde es endgültig Zeit uns in die Zugsbar zu verflüchtigen. Dort die gewohnte Sauferei mit einem Bremer und einigen Ajax-Sups welche sich im Schweizer Schnee vergnügt hatten. Zu vorgerückter Stunde wurde noch der Geburtstag eines Holländers gefeiert und die eine oder andere (!!!) Runde bezahlt. Da sich alle anderen inzwischen verdrückt hatten, hatte ich schliesslich das Vergnügen mich mit 15 Holländer rumzuschlagen, ehe der Barwag in schliesslich in Koblenz abgehängt wurde. Ufff... Auf den Gängen unterrichtete Master SBB den A'damer schliesslich noch einige Tanzschritte (hacke!) ehe man sich dann endgültig schlafen legte.

Topfit in Amsterdam angekommen führte uns Wiesel erstmals durch Amsterdams Redlight District, wo die letzten Zombies durch die engen Gassen krochen. Ganz üble Gestalten...  Nach Frühstück und kurzem Shopping war für die wahren Rosinenhopper dann auch schon Aufbruch nach Rotterdam angesagt, so dass Wiesel endlich ungestört seinem zweitliebsten Hobby frönen konnte. Selten so freundlich verabschiedet worden...

So bestieg man also am A'damer HB den "Sneltrain" Richtung Rotterdam, welcher sich vorallem darin auszeichnete in jedem Kuhdorf anzuhalten. Da in Holland seit 01.01.2020 in allen Zügen generell Rauchverbot herrscht und Master SBB trotz Müdigkeit und Alkoholentzug langsam zu Höchstform auflief, entwickelte sich die einstündige Rumpelfahrt für Schmedi und mich zur wahren Tortur. Endlich in Rotterdam angekommen, fuhr dann ein Extrazug direkt nach "Rotterdam Stadion". Schon von weitem war das eindrückliche "De Kuip" zu sehen und die Vorfreude löste langsam das durch das Endlosgeliere entstandene Kopfweh ab.

In der stadioneigenen Bahnstation wimmelte es bereits von nervösen Robocops und Zivis welche jeden einzelnen Matchbesucher genaustens musterten. Wir zogen dann erstmal auf den grossen Hauptplatz vor dem Kuip und verschafften uns mit Hilfe einiger netter Feyenoord-Fans (mit komischen Stöpseln im Ohr...) einen Überblick über die verschiedenen Tribünen. Die reservierten Tickets kosteten 31 Euro was uns edle Plätze auf der Gegengerade bescherte, von welchen wir einen schönen Ausblick auf die beiden Fanblöcke hatten. Vor dem Stadion wimmelte es von Feyenoord-Hools die in kleinen Grüppchen durchs Gelände zogen. Auch hier scheint Stone Island und vorallem Burberry momentan modemässig der Renner zu sein. Nach kurzer Musterung der verschiedenen Fanartikelstände, zogen wir es vor unsere Plätze zu checken. Von der Treppe zum Block konnte wir noch beobachten, wie die Utrechter von berittenen Cops in kleinen Gruppen durch einen mit Blachen bedeckten Gittertunnel gescheucht wurden, der sie direkt in ihren Block oder besser Käfig führte. 

Zu Spielbeginn waren dann etwa 400 Utrechter in der gutgefüllten Schüssel, wobei diese aufgrund ihrer fast ausschliesslich schwarzen Kleidung und fehlender Schals oder Fahnen eigentlich nicht als solche zu erkennen waren. Zum Intro gabs auf der Feyenoord-Seite einige grossen Schwenkfahnen, wobei dies vorallem aufgrund der übergrossen Japan-Fahne (Feyenoord hat 2 japanische Spieler im Kader) eher kuttig und peinlich rüberkam. Auf der Utrechter Seite lediglich ein kleines Plakat auf welchem wir nur R.I.P und irgendeinen holländischen Namen entziffern konnten. Dies erklärte wohl auch das einheitlich schwarze Auftreten und den 80minütigen Supporverzicht der Utrechter. 

Das Spiel die ersten 20 Minuten grottenschlecht, was vom Publikum mit einem gellenden Pfeifkonzert honoriert wurde. Schliesslich vermochten die Utrechter das Spiel langsam in den Griff zu bekommen und gingen prompt mit einem Doppelschlag innert wenigen Minuten 0:2 in Führung. Die Tore wurden nur mässig bejubelt, ehe wieder Totenstille im Block einkehrte. Plötzlich kam dann doch noch etwas Action in den Block, als der Hool-Mob querfeldein aus dem Block zu stürmen versuchte. Die Bullerei konnte dies erstmals verhindern; doch schon versuchten sich auf der anderen Seite einige Rotterdamer  Zutritt zum Auswärtssektor zu verschaffen. Was dann folgte war eine üble Keilerei zwischen Bullen und Rotterdamer welche sich schliesslich bis zur Pause hinzog. Das ihr Team zwischenzeitlich zum 1:2 verkürzt hatte und die Stimmung ein ganz ordentliches Niveau erreichte, hat die meisten wohl nicht wirklich interessiert... Nach der Pause gewann das Spiel an Schnelligkeit und Feyenoord rannte ohne Pause gegen das Utrechter Tor. Der Ausgleich schien nur eine Frage der Zeit und das Publikum ging richtig gut mit. Schliesslich gelang Feyenoord mit einem glücklichen Penalty mit Nachschuss der Ausgleich und kurz vor Spielschluss sogar noch der Siegestreffer. Die Schüssel war zu dieser Zeit am beben und ein urkomischer Ententanz wurde inszeniert... In der 80. Spielminute rollten schliesslich die Utrechter ein Transparent "Hooligans, Ultras forever" aus und begannen mit - für Ihre Anzahl - ganz ordentlichem, lautstarkem Support. Wobei die Ajax-Lieder verständlicherweise bei den Rotterdamer weniger ankamen und sich die Feyenoord-Hools wiederum neben dem Utrechter-Block sammelten, aber erneut von den Bullen abgedrängt werden konnten.

Das Spiel endete schliesslich verdient mit einem 3:2 Sieg Rotterdams und wir zogen nach Spielschluss nochmals zum Vorplatz um uns noch mit mehr oder weniger geschmackvollen Fanartikeln einzudecken. Gegrüsst sein an dieser Stelle Jenny aus Gelterkinden BL. Ob er wohl passt? Beisst oder gar einschneidet? Um etwas Zeit zu sparen, entschlossen wir uns in Rotterdam auf den ICE nach Amsterdam zu warten, was sich jedoch wieder als Reinfall erwies, da dieser ebenfalls etwas über eine Stunde hatte, ehe man nach üblen Dr. Sommer Gesprächen und einigen Heineken Büchsen wieder in Amsterdam eintraf und im allgemeinen Geliere fast noch bis Den Haag sitzen blieb...

Dort wartete bereits unser Ajax-Langweiler um im Schliessfach noch schnell die gekauften F-Side-Schnäppchen (räusper) zu verstauen. Wir zogen danach noch schnell Richtung Redlight wo nun natürlich Hochbetrieb herrschte. Hunderte Schlachtenbummler drückten sich durch die engen Gassen um sich an den Schaufenster mit den zugegeben z.T. ausserordentlich hübschen Frauen die Nasen platt zu drücken. Schliesslich mussten (z.T. auf Auftrag) noch einige billige Videos gekauft werden, wobei sich auch hier Master SBB wieder als Experte hervortat währendem sich Schmedi noch etwas in der Peepshow vergnügte.

Nach einem hastigen Abendmahl hiess es dann bereits wieder auf den Zug zu stressen und schon lag der Amsterdam/Rotterdam-Trip hinter uns. Amsterdam total schräge Drecks-Stadt die aber auf den zweiten Blick durchaus zu gefallen weiss. Ein Feyenoord-Besuch darf für einen Rosinenhopper fast als Pflichtground betrachtet werden und kann nur empfohlen werden!

Es würde sich hier sicherlich lohnen, mal etwas mehr Zeit zu investieren. Für was auch immer... :-)  Eins ist sicher, wir kommen wieder!