Genoa CFC 1893

 

 

 

2:1

 

Zus.: 22’076

Playoff Serie C1/B

04.06.2020

 

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Salernitana Calcio 1919

 

 

 

Nach einer längeren Genoa-Pause, bedingt durch grauenhaften Fussball, trat man am Sa. mal wieder die Reise Richtung Süden an. Auf Grund des zu erwartenden schönen Wetters, einem freien Montag und mind. einem Top-Spiel war das kleine Reisegrüppchen um Schmedi, Nö (er hatte sein erstes Mal..) und mich gut gelaunt on Tour. Dank der Gotthard-Sperrung ging’s dann etwas umständlich und zeitraubend in Stossrichtung Genoa.

 

(wer sich nur fürs Spiel etc. interessiert – ersten Absatz überspringen J)

 

Irgendwann traf man aber auch mit Umweg in der Hafenstadt ein. Eigentlich wollte man sich leicht ausserhalb ein Hotel suchen und ev. noch ein wenig das Wetter geniessen. Leider stellte sich sehr schnell heraus, dass an der Küste irgendwie überall Stadtgebiet war, so landete man schlussendlich DownTown und begab sich auf die umständliche Suche nach einem Schlafplatz. Da die Hauptferienzeit im Itaker-Land begonnen hatte, fand man nur noch ein doch etwas weniger attraktives Hotel mit genau so unattraktivem Preis. Nichtsdestotrotz irrte man zufrieden durch die von Engländer entdeckte und von Tessiner unterwanderte Hafenstadt, welche eigentlich von den schwarzen Ureinwohnern Italiens gegründet wurde (oder wie ging das genau!?). Nach ordentlicher Verpflegung und gutem Gequatschte zog es Schmedi Richtung Bett und Nö und mich Richtung „Disco“.. Nach dem man das halbe Jungvolk Genoas nach so was ähnlichem gefragt hatte und keine wirkliche Antwort bekam, landete man an einer Studentenparty in der selben Strasse wie unser Hotel war. Location war top (Innenhof eines alten Riesengebäude) und Nö spendierte ohne Ende, so dass wird bald als wohl einzige Personen weit und breit übel hacke waren. Davon geprägt landeten wir gegen zwei Uhr vor dem Hotel, welches jedoch verschlossen war und auch blieb. Als Notlösung landeten wir im Auto, wo wir uns mal ne erste Dosis Schlaf gönnten. Morgens um sieben konnten wir dann doch noch unser Zimmer aufsuchen und so gab’s für die 30€ p.P. immerhin noch ne (kalte) Dusche.

 

Da wir fälschlicherweise dachten, dass das Spiel bereits um 1500 beginnt, waren wir schon zeitig in Marassi. Zum Glück gingen die Kassen ordentlich früh auf und man sicherte sich bewährte „Distinti“-Karten. Kurze Zeit später kam auch schon Bewegung in die gut vertretene Bullen-Meute, was erahnen liess, dass die Damen und Herren aus dem Süden bald eintreffen würden. Einige Minuten danach waren auch schon die Sirenen zu hören und die Salerno-Leute wurden in ca. neun Linienbussen vom Bahnhof her herangekarrt.

 

  

 

Die Busse waren gestopft voll, die Türen offen, die Knaller waren laut, sehr laut (ob es sich dabei um die berühmten „Salerno-Bomben“ handelte, wurde auch nach längeren Diskussionen nicht geklärt), das „Max-machen“ wurde zelebriert und der dazu gehörige Gesang erhöhte die Vorfreude auf einen heissen Tanz. Dieser begann schon kurz nach dem Aussteigen des Pöbels. Es wurden wie so häufig ordentlich Gegenstände durch die Gegend geschmissen und an Pyro wurde dabei auch nicht gespart. Die Salernos schafften es so auch, dass gut ausgetrocknete „Flussbett“ beim Stadion in Brand zu setzen, was allerdings niemand gross störte und schon gar nicht die Polizei. Die wenigen anwesenden Hafenstädter beruhigten sich bald wieder und wir drei Pappnasen begaben uns dann auf Grund unseres Irrtums doch etwas zu früh ins Stadion.

 

 

Immerhin hatte man da einen guten Ausblick auf die Ankunft der Spieler-Busse. Bei den CFC’lern logischerweise anständiger Jubel und Applaus.. Wenige Minuten später ertönten erneut die Sirenen und im Schlepptau von mind. fünf Bullen-Fahrzeugen erschien der Salerno-Bus welcher so gleich von den anwesenden Grifoni mit Fusstritten, Faustschlägen und einem Schirm (wer braucht so einen bei 25° und Sonnenschein!?) attackiert wurde. Als der Bus dann nicht gleich „unters“ Stadion fahren konnte und für die sehr stark aufgebrachten Genoanos gut sichtbar in der abgeschirmten Einfahrt stehen blieb, hatte man kurz die Hoffnung, dass sie noch was reissen könnten. Ausser gutem verbalem Hass, üblem Krach und einzelnen Erstürmungsversuchen blieb es aber ruhig. Im Stadion selbst waren die ganzen zwei Stunden vor dem Spiel die üblichen Provokationen und Austauschen von Gegenständen (inkl. einer Bengale, die etwa drei Mal hin und her flog) im Gange. Witzig am Rande.. Salernos hatten Schmähgesang für Genoa am Start deren Melodie so gut klang und eingängig war, dass sie sogar von den Leuten am Genoa-Bierstand gepfiffen wurde.

 

  

 

Zu Spielbeginn hatte sich das Stadion mit etwas über 20'000 Leuten gefüllt, welche natürlich einen absolut Hammer-Krach machten.Unserem Nö und mir war das Strahlen nicht mehr aus dem Gesicht zu kriegen und schon gar nicht als auf Genoa-Seite eine ordentliche und laute Pyro-Show stieg (Distinti Mittelrang hatte noch Zettel-Choreo, sahen wir aber nicht). Die etwa 1'000 Gäste hielten souverän dagegen und waren auch trotz singender Gradinata Nord immer noch gut zu hören. Wie nach der Platzbesichtigung der Spieler zu erwarten, war das Spiel von Beginn weg sehr ruppig und mit ordentlich Hass gespickt. Es war eine wahre Freude und da Genoa ausnahmsweise mal guten Fussball zeigte und klar überlegen war, blieb auch der Lärmpegel konstant hoch. Der Schiedsrichter war ne Riesen-Flasche und liess alles laufen, was dem Spiel die Aggressionen bestimmt nicht nahm.. uns konnte es recht sein! Das Heimteam macht weiter Druck und kam mit zwei Alu-Treffern auch zu sehr guten Chancen um die Hinspiel-Niederlage noch wettzumachen. Salerno war in Halbzeit eins nicht überzeugend, wurde aber ein zwei Mal gefährlich.

 

 

Relativ früh in Halbzeit zwei hatte Genoa 12 Spieler, denn der Torwart von Salerno liess einen mehr als haltbaren Schuss passieren (er dachte wohl, der Schuss geht am Tor vorbei) und so bebte Marassi ganz gut. Über die Ganze zweite Halbzeit hinweg konnte Salerno nicht überzeugen. Eine Viertelstunde vor Schluss bekamen aber auch sie mal die Oberhand und liessen die CFC’ler mächtig laufen, was prompt im 1:1-Ausgleich durch einen Schuss aus 18 Metern gipfelte. Nun war im Gästeblock und auf der Bank/dem Feld aber anderst die Hölle los. Absolute genial zum Zuschauen, wie da der ganze Block durcheinander fiel und plötzlich waren sie wieder laut. Nachdem Treffer für Genoa waren sie erstaunlicherweise sehr ruhig geworden.. Hätte ich nicht erwartet (Mentalità und so).

 

Die Heim-Elf steckte nicht auf und drückte, nicht sonderlich zwingend, auf die erneute Führung. Etwa in der 86. Minute stand ein Rossoblù dann aber plötzlich alleine vor dem Tor und als der Ball wieder an die Umrandung knallte, dachte wohl im ersten Moment keiner mehr an ein gutes Ende.. Sekunden später war das Stadio Luigi Ferraris wieder ein Tollhaus, wo sich ganz alt und ganz jung überglücklich in den Armen lag, denn nach dem Abpraller von der Latte stand Genoas Nummer neun goldrichtig und verwertete zum alles entscheidenden 2:1 für die Heim-Mannschaft. Genoa-Nö und Genoa-Master freuten sich über den Treffer ebenfalls ausserordentlich so dass man von den Sitznachbarn (eine Reihe weiter oben) so gleich gefragt wurde, woher man komme. Als man dann die Herkunft bekannt gab, wurde man beinahe auch noch umarmt, aber das ordentliche Schulterklopfen war auch ok.

 

Zum Schluss waren dann natürlich wieder starke Jubelszenen zu sehen und als man schon auf dem Weg zum Auto war, hörte man noch mal wie die Salernos vom ganzen(!) Stadion mit „Napoli, Napoli, Napoli“- und „Serie C“-Rufen eingedeckt wurden. Diese verhielten sich aber weiter ruhig, genau so wie bei einigen üblen Fehlentscheiden des Refs und unfairen Eingriffen der Genoa-Spieler (u.a. wurde ein zweiter Ball von der Genoa-Bank aufs Spielfeld geschossen, als Salerno kurz vor Schluss hätte kontern können oder ein verletzt am Boden liegender Gäste-Kicker wurde vom Genoa-Verteidiger bewusst abgeschossen als er den Ball ins Aus kicken sollte).. Sehr erstaunlich!

 

Insgesamt war vieles bis alles dabei und machte sich schon zufrieden auf den Weg weiter nach Torino, wo Cesena sich noch beim „Favorit-Stürzen“ versuchen wollte.

 

ES LEBE MARASSI! Wohl die beste Schüssel, die sich ein Fussballfan wünschen kann. Respekt nach Salerno! Haben sich sehr gut gehalten!