Griechenland-Tour

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Eigentlich wäre Sonntag zuerst das Sizilien Derby Catania - Messina auf meinem Plan gestanden, doch die italienische Bahn machte mit Ihrem Streik mal wieder einen Strich durch die Rechnung. So ging es halt kurzfristig schon drei Tage früher nach Griechenland. Ich staunte nicht schlecht, als bei der Landung in Athen der Flughafen im Schneesturm versank! Dementsprechend kalt sollte das Wetter die nächsten Tage auch werden.

 

Am Nachmittag stand schon das erste Meisterschafts-Spiel auf dem Plan: Olympiakos Piräus – PAOK Saloniki. Im veralteten Karaiskaki Stadion in Piräus darf Olympiakos seine Heimspiele schon länger nicht mehr austragen und der zwischenzeitliche Ersatz-Ground Olympia-Stadion wird seit Sommer für Athen 2004 umgebaut. So wurde das Stadion Rizoupoli von Zweitligist Apollon Athen mit 14'000 Schalensitzen erweitert und ein wenig aufgemotzt. Ich war schon 4 Stunden vor Spielbeginn beim Ground, da aus Sicherheitsgründen nur 9'500 Zuschauer reingelassen wurden und das Spiel schon ausverkauft war. Nach drei langen Stunden Suche wurde ich auf dem fast inexistenten Schwarzmarkt doch noch fündig für ein Ticket auf der Haupttribühne.

Im Stadion wurde schon seit 2 Stunden mächtig gesungen. Etwa eine halbe Stunde vor Anpfiff traf dann der 2’000köpfige Auswärts-Mob aus Nordgriechenland ein und wurde vom ganzen Stadion mit „Bu-Bu-Bulgaria!“ Rufen freundlichst empfangen. Da hinter einem Tor die Basketball-Halle von Apollon steht, wurden beide Mobs hinter dem anderen Tor untergebracht, nur getrennt durch eine 20 Meter breite Sicherheitszone und ein paar Hundert Polizisten. Zu Spielbeginn wurden auf beiden Seiten einige Bengalos gezündet. Schon kurz nach Anpfiff stand es dann 2:0 für das Heimteam. Beide Anhängerschaften haben mächtig abgesungen. Nachdem PAOK kurz vor der Pause auf 2:1 verkürzte, ging Olympiakos mit zwei Toren kurz nach Wiederanpfiff mit 4:1 in Führung. Das Stadion tobte. Doch PAOK verkürzte wieder auf 4:3 und von da an waren endgültig nur noch die PAOK Anhänger zu hören. Diese wurden dann von den Roten mit mindestens 50 Leuchtstiften mitten in die Menge bombadiert und gleichzeitig von den Bullen mit den Schlagstöcken bearbeitet. Dies wurde mit dem Werfen von unzähligen Schalensitzen und einem absolut geilen Dauersupport beantwortet. Olympiakos brachte das Spiel trotz verschossenem Elfmeter mit viel Dusel über die Runden. Olympiakos Spieler Christian Karembeu zettelte auf dem Feld noch eine Schlägerei mit Spielern und Funktionären von PAOK an, die schliesslich von der Polizei (!) beendet werden musste.

 

Nach zwei Tagen Sightseeing in und um Athen ging es Dienstag Abend mit dem Nachtzug ins rund 600 km entfernte Saloniki. Dort stand am Abend das Pokal ¼ Final Hinspiel PAOK - Olympiakos an. Gästefans aus Athen wurden aus Sicherheitsgründen keine zugelassen, denn nach den Ausschreitungen beim Meisterschaftsspiel im Herbst zwischen diesen zwei Mannschaften musste PAOK fünf Heimspiele ohne Zuschauer austragen. Mitte der 90er Jahre war der Club wegen Ausschreitungen auch fünf Jahre lang von allen Europacup Wettbewerben ausgeschlossen. Doch auch ohne Auswärts-Mob wurde es ein heisses Spiel. Das Stadion Toumba (auf deutsch „Grab“) war mit gut 20'000 Psychopathen fast voll und diese erwiesen dem Stadion-Namen alle Ehre. Rund 500 Polizisten waren im Einsatz, doch weder in die berüchtigte Heimkurve „Gate 4“, noch vor diesen Block getrauen sich die Ordnungshüter hinzustellen. Kurz gesagt: die Fans haben das Stadion in Ihrer Gewalt und können tun und machen was sie wollen!

Der Hass gegen den Schiri und die Hauptstädter war riesig. Das ganze Stadion sang sich in Ekstase! Dazu wurden unzählige Bengalen und Leuchtstifte Richtung Feld geschossen. Nach der 2:0 Führung PAOK’s machte der Schiedsrichter dann aber kurz vor der Pause einen folgenschweren „Fehler“: er pfiff einen berechtigten Penalty für Olympiakos. Daraufhin stürmten rund 100 Leute über den 4 Meter hohen Zaun aufs Spielfeld. Diese konnten vorübergehend von den eigenen Spielern beruhigt werden. Die Polizei hatte jetzt die undankbare Aufgabe, einen „Ring“ um den Rasen zu bilden. Hinter der Heimkurve gaben sie dieses Unterfangen aber schnell wieder auf. Die verängstigten Bullen auf der Gegengerade mussten bleiben und wurden während der ganzen zweiten Halbzeit das Ziel von Wurfgegenständen wie Eisenstangen, faustgrossen Steine, Stilos usw.

 Der Schiri versuchte dann die zweite Halbzeit anzupfeifen, doch sobald ein Olympiakos Spieler in der Nähe von Gate 4 kam, wurde auch er mit Gegenständen beworfen. Das Spiel wurde mehrmals unterbrochen und stand kurz vor dem Abbruch. Erst als ein eigener Spieler schwer getroffen wurde und daraufhin der Präsident auf das Spielfeld kam, ist den Psychos wohl in den Sinn gekommen, dass es bei einem weiteren Spielabbruch wohl nicht bei fünf Spielsperren bleiben würde. Doch ein Ziel wurde erreicht: der „Unparteiische“ pfiff nur noch für PAOK und die Olympiakos Spieler trauten sich kaum noch in die Zweikämpfe. PAOK gewann das Spiel schlussendlich mit 3:1.

 Donnerstag Morgen ging es mit dem Zug zurück in die Hauptstadt, denn zum Abschluss stand das UEFA-Cup 1/8 Final Rückspiel zwischen AEK und Malaga an. Die Griechen durften sich nach dem 0:0 in Spanien berechtigte Hoffnungen auf ein Weiterkommen machen. Zu meinem Erstaunen war das Stadion, nur ein paar hundert Meter vom Apollon Ground entfernt, mit 20'000 Zuschauern fast ausverkauft. Denn bei normalen Meisterschaftsspielen verlieren sich selten mehr als 3-4'000 Fans im Stadion, bei Derbys auch nicht mehr als 10'000. Während zwei Stunden vor dem Spiel sang sich die AEK Kurve gut ein. Zum Intro gab es jede Menge Rauch, Bengalen und Papierrollen. Sah toll aus, aber das war’s dann auch schon fast für das ganze Spiel. Ein Teil der Heimkurve sang zwar auch noch die 90 Minuten durch, doch der Rest des Stadions, meist „Normalos“, beteiligte sich fast nie an den Gesängen. AEK spielte katastrophal und schied sang- und klanglos mit 0:1 aus. Am nächsten Morgen ging es durch das Verkehrschaos von Athen zurück zum Flughafen.

 Der Fanatismus ist nicht zu vergleichen mit Mitteleuropa. Derbys in Griechenland zwischen den sechs „grossen“ Teams aus Athen und Saloniki sind auf jeden Fall ein Erlebnis. Doch die restlichen Spiele werden selten vor mehr als 1'000 Zuschauern ausgetragen.

 

PANDA