Poznan - Prag - Wien - Genua

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Eigentlich wollte man dieses Jahr die Ferien in Süd-Ost-Asien verbringen, alls man dann vom Geschäft wegen SARS eine Reisesperre für diese Länder erhielt musste man schleunigst etwas neues finden. Für zwei Fussballinteressierte war das natürlich kein weiter Sprung um eine kleine "Groundhopping-Tour" zu planen. So suchten wir uns im Internet ein paar geeignete Spiele, was sich als nicht all zu einfach herausstellte, da die meisten Liegen schon Pause haben oder die letzten Spiel anstehen.

Am Freitag morgen machten wir uns also auf über Deutschland richtung Polnische Grenze. Gut mit Bier gefüllt kam man schliesslich unversehen am Bahnhof Poznan Glowny an. Da wir erst zu später Stunde ankamen gings erst mal auf die Hotelsuche. Am nächsten Tag ging man noch etwas die Stadt besichtigen. In mitten der Altstadt stolperte man ganz unverhoft und auch etwas verdutzt in den Hooli-Shop. Neugierig durchforsteten wir die Regale und ständer. Aber ausser Lonsdale, Pit Bull, Bad Boy und Hooligan Streetwear und den bekannten polnischen Sturmhauben fand man nichts schlaues ausser der neusten Ausgabe von "To my Kibice". Gleich um die Ecke fand man noch den Lech Poznan-Fan-Shop wo man sich gleich das Ticket sicherte. Danach gings ab zum Stadion. Auf dem Vorplatz erwarteten uns ca. 10 Einssatzwagen der Polizei sowie einen Wasserwerfer der polnischen Armee. Im Stadion suchte man sich einen Platz auf der Seite der Haupttribüne. Da das Stadion die Form eines "U's" aufweist konnte man noch die Fans von Pogon Szczecin beobachten, welche auf dem Trainingsplatz von ca. 50-60 Polizisten in voller Kampfausrüstung, einem weiteren Wasserwerfer und vier berittenen Polizisten in schach gehalten wurden. Das Spiel war sehr einseitig und Lech gewann mit 6 : 0. Jedes Tor wurde mit 5-6 Fackeln gefeiert. Eine viertel Stunden vor Schluss gab es noch eine Choreo mit ca. 10 Fackeln. Vor beginn des Spiels wurde eine Blockfahne, welche die Hälfte des Stadions abdeckt aufgezogen. Nach dem Spiel gings gleich weiter Richtung Bahnhof, damit man den Zug nach Ostrow Wielkopolski erwischte, wo man in den Schalfzug nach Prag umsteigen musste. Mitten in der Nacht wurde man noch von den Tschechischen Zöllnern aus den Federn gehetzt. Kurze Zeit später kam auch noch irgend ein Zwerg und Fragte uns ob wir Zigartten oder Alkohol mitführen würden und fuchtelte mit seiner Maglight-Taschenlampe wild umher.

Am nächsten Morgen in Prag angekommen machten wir uns gleich auf die Suche nach einer billigen Unterkunft. Als wir dann erfahren mussten das alle Hotels der Stadt ausgebucht waren, griffen wir auf das Angebot einer älteren Dame am Bahnhof zurück. Sie bot uns eine kleine Wohnung für drei Nächte mit Küche und Badezimmer für 50 Euro pro Person an. Dieses Angebot konnte wir natürlich nicht ausschalgen. Mit Ihrem alten Skoda gings dann in die Prager Innenstadt, wo sie uns das Appartement übergab. Dann machte man sich auch schon wieder auf Richtung Stadion, wo wir erfahren mussten, dass das der Spiletag schon vorgezogen wurde. Ziemlich enttäuscht über die Nachricht machten wir uns auf in die Altstadt um den Frust mit Bier runterzuspühlen. So blieb uns nichts anderes übrig und die nächsten zwei Tage Prag zu besichtigen.

Am Mittwoch morgen machte man sich auf in Richtung Österreich, wo man mit einer 40-minütigen Verspätung auch ankam. Da man unterwegs noch einen Bremsdefekt hatte und so den ganzen Waggon mit einem abgasänlichen Gerucht und etwas Rauch eindeckte. Entlich in Granz angekommen musste man erfahren, dass wir gerade noch rechzeitig kamen und uns so das letzte Doppelzimmer der Stadt ergaterten. Dank der netten Dame am Infoschalter am Bahnhof bekamen wir unser Doppelzimmer auch für 40 statt 90 Euro pro Person. Am nächsten Tag gings ins Arnold-Schwarzenegger-Stadion im Stadtteil Liebenau. Noch schnell was gegessen und noch 10 Euro verwettet gings ins Stadion. Der Auswertsbloch wurde von den Rapid Wien-Fans ordentlich gefüllt. Von den Grazern war man ziemlich enttäuscht, denn sich brachten etwa gleich viele Leute in den Fan-Sektor wie die Wiener. Das Spiel war lausig und Rapid gewann verdient mit 1 : 0. Nach dem Spiel mussten die mitgereisten Hauptstädter noch 15 Minuten im Block warten ehe man sie wieder frei lies. Auf dem Vorplatz des Stadione wurden die beiden Fan-Gruppen mittels Abschrankungen und ca. 30 Polizisten voneinander getrennt. In der Sperrzone zwischen den beiden Fan-Lagern postierten sich 3 "Kameramänner", die das ganze Geschehen auf Video aufzeichneten. Etwa 30 Minuten nach Spielschluss wurden drei Wiener durch die Abschrankungen in ihre "Zone" geführt. Provokationen der Sturm-Fans konnten sich diese drei Herren natürlich nicht verkneifen, was zu einem Handgemänge der Grazer mit den Polizisten führte. Diese Situation nutzten ca. 10 Wiener aus, um sich gleich hinter den Grazern unters Volk zu mischen und aus dem Hinterhalt zuzuschlagen. Es folgten zwei kurze und faire boxereien. Bleibt die Frage war es ein bewusstes Ablenkmanöver oder einfach Zufall.

Das letzte Spiel unserer einwöchigen Tour was des letzte Heimspiel von Sampdoria gegen Messina. Das Stadion war zu unserem Erstaunen nicht restlos ausverkauft. Das Spiel war mässig und endete mit 1 : 1 unentschieden. Zu beginn des Spiel organisierten die Doriani eine Fähnchenchoreo auf der Gegengerade und hinter dem gegnerische Tor sowie auf der Gradinata Sud. In der mitte der 2. Halbzeit folgte dann eine wirklich gelungene Aktion. Mitten durch die Fancurve, entlang des 2. Oberrangs und hinter das Tor wurde ein "Trauermarsch" durchgeführt. An der Spitze des Corsos lief ein maskierter Henker und gleich dahinter folgte der "Gerallo", der Wappenvogel des FC Genua, der an ein Kreuz genagelt wurde, dahinter folgten dutzende von Leuten mit blau-roten Särgen und Fackeln. Hinter dem gegnerischen Tor wurden der gekreuzigte Vogel und ein Sarg verbrannt, was natürlich prompt die Feuerwehr auf den Platz rief. Das ganze Stadion stand und klatschte vor Schadenfreude über den Abstieg des Stadtrivalen.

by Schmedi