Slowakei - Deutschland

 

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Am Freitagabend traf ich Wiesel im Züricher HB und die Reise konnte losgehen. Wegen den Unwettern war die Strecke Bregenz – Innsbruck unterbrochen und unser Zug wurde über Basel – Stuttgart – München nach Wien umgeleitet. Dieser Umweg brachte uns 4 Stunden Verspätung. Warum dieser Zug über Basel umgeleitet wurde konnte niemand vom Personal sagen. Vielleicht ist halt doch etwas dran an den Oesterreichern-Witzen. In unserem 4er Liegewagenabteil waren noch 2 Omis und so machten wir uns auf den Weg in den Barwagen um uns ein paar Bierchen zu gönnen. Dort trafen wir noch auf einen Ostschweizer, welcher in Hochdorf wohnt, auf dem Weg zu seiner Freundin nach Ostungarn. Am Montag musste er wieder bei der Arbeit sein. Na ja, ist doch ein sehr weiter Weg für eine Nummer. Ich erzählte dem Ostschweizer, dass es in Pressburg ein Blutbad geben wird. Wiesel hat sich über diese Aussage ziemlich geärgert, denn er wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht wie Recht ich hatte.

In Wien mussten wir den Bahnhof wechseln, schnell eine Currywurst reinhauen und dann mit dem Wiesel Express nach Bratislava. Vor uns lag ein gemütlicher Nachmittag im historischen Stadtzentrum mit vielen Kneipen. Leicht alkoholisiert fuhren wir so gegen 18 Uhr Richtung Stadion. An der Haltestelle trafen wir dann 2 Stuttgarter, welche Wiesel natürlich kannte.

Dann beim Stadion angekommen: Auf der gegenüberliegenden Seite war eine Kneipe, wo der ganze deutsche Mob stand. Keine dämlichen geschminkten Gesichter, keine Schalträger sondern nur Hools und Rechtsradikale. Erinnerungen an Polen 1997 wurden wach. Als Wiesel sich mit einigen Leuten unterhielt ging ich in die nahe gelegene Tankstelle um „importierte, abgepackte Westprodukte“ zu kaufen. Was anderes esse ich bekanntlich in Osteuropa nicht. Als ich zurück kam war der Mob schon in guter Stimmung und sang die deutsche Nationalhymne. 1. Strophe natürlich. Der DFB hat angekündigt, nur registrierte Fans vom DFB können für 20 Euro eine Karte kaufen und man müsse sich dafür anmelden. Leider (für MV) spielte die Slowakei nicht mit. Sie machten einen Schalter auf, wo man für 12 Euro eine Karte für den deutschen Block erhielt. Die registrierten Deppen Fans kauften eine überteuerte Karte, nachdem sie mindestens dreimal den Pass zeigen mussten.

Nun hiess es „Rein ins Vergnügen“. Ein typisch osteuropäischer Ground ohne Charme mit sehr wenigen Zuschauern. MV wurde während der ganzen Spielzeit mit Schmährufen beglückt und selbst der Bundesinnenminister bekam sein Fett weg. „Otto wir sind trotzdem hier“ *sing*  In der zweiten Halbzeit wurden Lieder gesungen, welche sogar vor 65 Jahren in unserem nördlichen Nachbarsland für Empörung gesorgt hätten. Kein Scherz.  In der Bildzeitung wurde es als „Ausländer-Raus-Rufe“ heruntergespielt.

Es wurde eine 20-Minuten Blocksperre für die Deutschen angekündigt. Um diese zu umgehen, verliess Wiesel mit ein paar Ostberlinern das Stadion. Ich blieb drin. Während der Blocksperre stürmte der Mob hinaus und riss die Absperrungen nieder um auf die Slowaken losgehen zu können. Innert Sekunden kamen slowakische Robocops, die mit ihren Knüppeln auf alles schlugen, was sich bewegte (und auch nicht bewegte!) Wir wurden an die Wand gedrängt und die Reihe vor mir bekam den Knüppel zu spüren, dass das Blut nur noch so spritzte. Ein paar Leute konnten zurück in den Block flüchten doch die meisten hatten nicht soviel Glück. Ich sah lauter blutende Köpfe. Habe noch nie so kompromisslose Cops gesehen.  Allerdings muss man zugeben: Die Aktion war sehr eindrücklich und als die Blocksperre zu Ende war verliessen alle das Stadion. Es war totenstill. Niemand hatte mehr Lust dieses Bullenaufgebot zu reizen.

Später traf ich dann Wiesel wieder im Pub in der Innenstadt. Wir entschlossen uns mit dem letzten Zug um 0.30 Uhr nach Wien zu fahren. Auf dieser Fahrt bewies Wiesel noch, dass man Boehse Onkelz auch auf Schweizerdeutsch singen kann. Die Begeisterung der Deutschen hielt sich allerdings in Grenzen. Als wir um 2 Uhr ankamen, mit dem Taxi zum Westbahnhof fuhren und dann vor verschlossenen Toren standen, hatte ich die Idee ins nahe gelegene Hotel Ibis zu gehen, in den 9. Stock zu fahren und im Gang  auf dem Boden ein paar Stunden zu schlafen. Als wir um 6 Uhr wieder loszogen, wurden wir vom Concierge noch freundlich verabschiedet.  Irgendwie ausgeschlafen nahmen wir den nächsten Zug Richtung Schweiz und wieder über München waren wir am späteren Nachmittag in Zürich.

by Legia